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02. Juni
Erdgasleitungsbau EGL 442 zwischen Neuhaus am Rennweg und Limbach

Nach Auskunft des Regionalverbundes Thüringer Wald und der Oberbauleitung für den Gastrassenbau ist eine Umleitung während der Bauarbeiten, bei welcher der Rennsteig in Höhe des Grenzsteines 91 gekreuzt und weiter unten am Sandwieschen tangiert wird, nicht zwingend notwendig. In Absprache mit der Bauleitung erfolgen notwendige Umleitungen zeitnah und ohne große Umwege. Das Gleiche trifft im Bereich des Neubaues der Molchstation in Limbach zu. Wir bitten, dass die Wanderer und Radfahrer auf entsprechende Hinweise achten und den Forderungen des Baubetriebes Folge leisten. Die Arbeiten sollen bis zum 30.11.2022 abgeschlossen werden. Danach wird der Rennsteig an den betroffenen Stellen wieder in einen begehbaren Zustand versetzt.

Rennsteig bei Grenzstein 91

Blick in Richtung Zyriaksbrücke

Sicherung betroffener Grenzsteine, hier Stein 95b

 

Baustelle aus Blickrichtung vom Sandwieschen zum Rollkopf

Sandwieschen, hier verläuft die Gastrasse rechts vom Rennsteig auf dem sogenannten Arbeitsdienstweg nach Limbach (Orientierung: vor den Radfahrern rechts ab)

 

04. Juni bis 12. Juni
Sommersonderrunst mit Willi Lehmann

Abweichend von der üblichen Dauer einer Runst von 6 Tagen führten wir unter der Führung von Willi Lehmann anlässlich seines 80. Geburtstages (April 2022) eine Sonderrunst in 8 Tagen über den Rennsteig durch. Da es sich  2022 um ein gerades Jahr handelt, verlief die Laufrichtung von Blankenstein nach Hörschel.

Nachfolgend die Bilder dieser Runst, bei welcher wir am Ende in Hörschel Willi in gebührender Form als Wanderführer verabschiedeten, was aber nicht heißen soll, dass er sich von seinem geliebten Rennsteig gänzlich verabschieden wird. Er hat mir versprochen, bei einer der nächsten Runsten, wieder dabei zu sein.

 

04. Juni Abendsippung in Steinbach

21 Wanderfreundinnen und Wanderfreunde trafen sich am 04.06.2022 abends in Steinbach am Wald in unserer Stammunterkunft im Hotel "Rennsteig" zur Abendsippung, bei welcher sich die Runstteilnehmer vostellten und der Runstablauf besprochen wurde

 

05. Juni, Blankenstein bis Brennersgrün

Plätzchen von unserer "Backfee", eine Tradition, schon viele Jahre lang

in diesem Jahr haben wir die begehrten Rennsteigplätzchen mit auf unsere Tour in den Hohen Norden Europas an das Nordkapp mitgenommen

in die Jahre gekommen, aber ausgebessert, die Selbitzbrücke, Startpunkt unserer Runst

 

Taufe des Wimpels in der Selbitz

 

Gruppenfoto am Steinernen Wanderer.
Bis 1903 stand hier ein hölzerner Rennsteigmönch (07. August 1898 aufgestellt). Beide wurden von Kommerzienrat Wiede
gestiftet

historisches Foto des hölzernen Rennsteigmönches von Otto Rost aus dem Jahre 1903, kurz vor der Einweihung des neuen
Steinernen Wanderers

auf dem Weg vor Schlegel

ein in die Jahre gekommener Rastplatz kurz vor dem Grumbacher Friedhof. Derartige Mängel werden noch während
der Runst beim zuständigen Regionalverbund mit Foto und Standort angezeigt und in der Regel auch kurzfristig in Ordnung
gebracht

unser Wanderkönig Willi

auch der Meiler Hohe Tanne, eine Schutzhütte, bedarf einer dringenden Reparatur

 

am Grab von Eduard Birnstiel erfahren wir von Lutz Hähner, der uns an diesem Tag begleitete, wie sich der heimtückische
Mord an Eduard Birnstiel zugetragen hatte.

Noch kurz vor seinem Tod traf Birnstiel im Wald bei Brennersgrün auf Johannes Bühring. An jenem Pfingstsonntag,
den 13. Mai 1894, entstand eine kurze Freundschaft zwischen den Beiden.
"Hoh!...Wohin des Wegs...Er ist wohl auf der Suche nach dem Rennsteig", soll Birnstiel  Bühring im Wald zugerufen haben.
Später am Tage trafen sie sich noch im Gasthof "Zum Grünen Baum" in Brennersgrün und besprachen ihr weiteres
gemeinsames Vorgehen zur Erkundung des Weges zwischen Brennersgrün und der Hohen Tanne.

Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Am 19. Mai, nur wenige Tage später, wird Eduard Birnstiel von Wilderern im
Rottenbacher Forst erschossen. Der Sohn von Ernst Franke, Richard, erschoss Birnstiel mit einer Schrotflinte. Nach
einer langjährigen Haftstrafe wurde er begnadigt.

Aus der Hand von Lutz Hähner erhält Willi am Abend für seine jahrzehntelange Arbeit im Verein das goldene Ehrenschild

 

 

06. Juni, Brennersgrün bis Spechtsbrunn

Ausgangspunkt der zweiten Etappe war der Parkplatz am Ortsausgang von Brennersgrün in Richtung Lehesten

Rückblick auf Brennersgrün mit seinen liebevoll gestalteten schieferverkleideten Häuser

Totholz mit Baumschwamm

Totholz mit...

Unsere Jungrenner Sylvia und Norbert werden, wie es Tradition ist, am Kurfürstenstein von 1513, zum "Altrenneranwärter"
geschlagen

Jubeltstein auf Weidmannsheil mit neuer Abdeckplatte

 

Koberstein

Das Waldhaus, die Gründungsstätte des Rennsteigvereins, um 1980

durch Brandstiftung wurde am 29.02.1988 das gesamte Anwesen komplett zerstört und bis heut nicht mehr aufgebaut
(Bilder vom Brand: Martin Weber, Ludwigsstadt)

 

der gegenwärtige Zustand des Anwesens stellt sich als äußerst desolat dar

 

 

der Rote Turm, Jagdversammlungsplatz in der Vergangenheit

Waldschäden durch den Borkenkäfer begegnen uns am gesamten Rennsteig

 

Bei dieser Runst haben wir nach Steinbach am Wald den Originalrennsteig an der Frankenwald Hochstraße verlassen und
begaben uns auf die nördlich davon verlaufende Umgehungsroute, die uns auch an eine schöne Quelle im Tal oberhalb von
Ebersdorf führte

 

07. Juni, Spechtsbrunn bis Friedrichshöhe

Am Brand, trotz Dauerschließung der Gaststätte, machten wir trotzdem eine kurze Rast

auch hier wieder die Schäden durch den Borkenkäferbefall der letzten Jahre

die Triniusrast würde trotz Aussicht eine grundlegende Sanierung vertragen

in Ernstthal ist das ganze Jahr Weihnachten

Erklärung zur Geschichte des Dreiherrensteins Hoher Lach am Ortseingang von Neuhaus am Rennweg, Igelshieb

Gruppenfoto am "Kustel" in der Ernst-Moritz-Arndt-Straße, Neuhaus

Einkehr bei Tobias Rosenbaum, der uns schon oft mit kurzfristigen Schuhreparaturen geholfen hat

Riesenstuhl am Alsbachberg

kurz nach dem Dreistromstein, das Tagesziel Friedrichshöhe ist nicht mehr weit

Begrüßung mit einem Glas Sekt im Gasthof Rennsteig unserem Quartier für heute

traditionell gibt es hier den legendären Blaubeerkuchen

... und am Abend feiern wir Party - vergessen sind die Strapazen der heutigen Wanderung

... mit Blick in das Friedrichshöher Land

 

08. Juni, Friedrichshöhe bis Neustadt am Rennsteig

Gemeinsam geht' weiter in Richtung neues Tagesziel

An der Eisfelder Ausspanne

in die Werraquell-Hütte kehren wir immer gerne ein und nehmen den kleinen Umweg gerne in Kauf

an der Fehrenbacher Werraquelle, einer von 2 steitbaren Werraquellen

Der Clingestein, errichtet zu Ehren des Rennsteigforschers Paul Clingestein aus Zeitz, oben auf dem Eselsberg bei Maserberg

am Gedenkstein von Förster Lassman, der von Wegelagerern erschossen wurde (von rechts nach links: Erich Baumann, Willi
Lehmann, Ulrich Rüger)

die neue Bushaltestelle von Kahlert

 

 

über Neustadt am Rennsteig braut sich etwas zusammen

Bergfest im "Hubertus" Neustadt, Norbert (rechts, Mundharmonika) und Herwig (links) in ihrem Element

 

09. Juni, Neustadt am Rennsteig bis Oberhof

Über die Mitte des Rennsteiges werden wir von Willi persönlich geführt

die Waldschänke am Großen Dreiherrenstein hat nach dem Besitzerwechsel zur Freude der Wanderer wieder geöffnet

 

am Bahnhof Rennsteig werden wir von zahlreichen Mitgliedern der Suhler Ortsgruppe des Rennsteigvereins begrüßt, die uns bis
zur Suhler Hütte begleiten. Willi wird hier im Beisein der Presse von Mitarbeitern des Thüringer Biosphärenreservats als zertifizierter Wanderführer geehrt und verabschiedet.

 

in der Suhler Hütte kehren wir zur Mittagsrast ein

...und treffen alte Bekannte von früheren Runsten

Plänckners Aussicht mal etwas anders

der höchste Punkt des Rennsteiges am Beerberg wird gemeinsam überschritten

 

Rondell

Oberhof am Abend, Blick aus dem Fenster unserer Unterkunft "Waldschlösschen"

 

10. Juni, Oberhof bis Spießberghaus

Am Gustav-Freytag-Stein, einer Nachbildung des ehemaligen Dreiherrensteines, der um 1940 wahrscheinlich gestohlen wurde,
erklärte Willi die Bedeutung des Landesgrenzsteines, einer von 9 ehemaligen Dreiherrensteinen am Rennsteig

Oberlautenberg, aus dem ehemaligen Aufmarschweg russischer Panzer auf ihrem Weg von Meiningen in Richtung Gotha ist
unterdessen ein Biotop geworden, der Rennsteig , der hier mitten durch die Wasserfläche verlief, wurde um das feuchte Hindernis
herum verlegt

 

Sogar ein lange vermisster Grenzstein fand sich wieder, wenn auch nur das Sockelstück des Grenzsteines 116

die neue Erich's Ruh an der Wiedesuhlwiese

Neue Ausspanne, der Imbiss, der immer geöffnet hat, ist zu einer festen Instanz für uns Rennsteigwanderer geworden

Gleich daneben befindet sich das Rennsteighaus mit Ausstellungsräumen, Dusche und WC's

unser Tagesziel, das Spießberghaus

 

 

11. Juni, Spießberghaus bis Ascherbrück

über die Reitsteine geht es hoch zum Gipfel des Großen Inselsberges

 

ein neuer Imbiss auf dem Gipfel des Inselsberges

ein historischer Gauß'scher Vermessungspunkt

sie sind dann doch weiter mitgelaufen

Venetianerstein, mystisch, geheimnisvoll

Gefahr durch rücksichtslose Holzlagerung für den Viehhutstein von 1528

 

Die seltsamen Wandlungen eines seit 1996 unter Denkmalschutz stehenden Grenzsteines, Nr. 13 von 1772 - oder würde man so
Goethe und Schiller in Weimar oder die Wartburg in Eisenach anstreichen, die stehen nämlich auch unter Denkmalschutz
2002 undefinierbares Zahlenwerk in weißem Latex

2006, leichtes Grün am Steinkopf

2018: Rot

2019: rot, aber irgendwie anders

2020: Signalgrün, damit der Stein überhaupt sichtbar ist

2021: grün nun aber, dass der Stein auch von der Seite sichtbar ist

2022, Juni: rot, grün - ich freue mich schon auf die Herbstrunst!

Waldschänke Dreiherrenstein, Weißenberg

Imbiss "Zur Wallfahrt", Schillerbuche

liebevoll gepflegte Schutzhütte in der Nähe vom Glöckner

Glöckner, oberhalb von Ruhla, vor 100 Jahren wurde er zum Ehrenmal des Rennsteigvereins eingeweiht

Blick vom Glöckner hinunter auf die Felsformation mit den Namen der gefallenen Renner des Ersten Weltkrieges

Königsstuhl, benannt nach dem Förster Gottlob König, der sich im Forstgebiet rund um Ruhla zu Beginn des 19. Jahrhunderts
verdient machte und dem bereits 1813, lange bevor der Rennsteigverein sich den Felsen zu eigen machte, ein Großteil der
östliche Hälfte des Felsens gewidmet wurde. "1813 gepflanzt für 1871" haben hier seine Schüler ein einen stattlichen Felsen
eingemeißelt, der auch als "Rennsteig-Sphinx" bezeichnet wird. Das bedeutet nichts Anderes, als dass das Holz welches 1813
zur Pflanzung kam, 1871 genutzt werden konnte, wenn man nach den Berechnungsgrundlagen, die König1813 publizierte, gehen
konnte.

Wald auf der Vogelheide vor dem Bergwachtstützpunkt Auerhahn, ehemals von Gottlob König angelegt

Die Ruhlaer Rennsteigfreunde gestalteten die Schweinaquelle neu, ein Abstecher dorthin lohnt sich

 

 

12. Juni, Ascherbrück bis Hörschel

Nostalgie an der Hohen Sonne. Bei Fahrten mit der Postkutsche wurde von den Gästen sogenanntes "Schmiergeld" kassiert, ein Sprachgebrauch, der sich bis in unsere Tage erhalten hat, allerdings in abgewandelter Form.

 

 

Steinkontrolle

 

Vorbereitungen zur Altrennertaufe an der Wilden Sau

Sylvia (Mitte) erhält den Rennernamen "Thüringer Madle", Norbert (links) erhält den Namen "Mundharmonikus"

Das Sühnekreuz "Wilde Sau"

2022 - Gonnermannseck

2016 - Gonnermannseck

 

 

Am Ende der Runst - das Werraufer

 

Die Heimat will erwandert sein!
Du wähnst, der Heimat Herr zu sein,
und bist doch nur zu Gast.
Denn dann erst ist die Heimat dein,
wenn du sie dir erwandert hast!

(Arthur Richter-Heimbach, 1879-1947)

 

10 Juni
"Neue Mitte des Rennsteiges" eingeweiht
(Wir berichteten in der Chronik bereits in der Vergangenheit über den Stand der Baumaßnahmen)


Auf der Kreuzung von Kahlert wurde die neue Bushaltestelle eingeweiht. Die Neugestaltung der Kreuzung war bereits länger angedacht. Falk Sieder von der Holz- und Dachbau GmbH aus Schönbrunn fasste seine Vorstellungen in eine Projektskizze.  Im März 2021 begannen die Arbeiten, für die nur regionale Materialien verwendet wurden. Die Gesamtkosten betrugen 19.179 Euro. Die Sparkasse des Ilmkreises stellte hierfür einen Betrag von 3000 Euro zur Verfügung.

Es ist ein wahres Kleinod am Rennsteig entstanden. Bleibt nur die Hoffnung, dass es uns lange erhalten bleibt.

Blick aus Richtung Kahlert kommend

Rastmöglichkeit im Inneren

Wegweisung mit neuen Wegweisern

 

 

Blick in Richtung Altenfeld

Blick in Richtung Gießübel

Bushaltestelle

Bushaltestelle gegenüber

 

18. Juni
Glöcknerfeier - 100 Jahre Rennsteigehrenmal Glöckner

 Bild: Willi Lehmann

Bild: Willi Lehmann

Am 08. Juni 1922 wurde das Rennsteigehrenmal am Glöckner eingeweiht. In diesem Jahr feierten wir den 100. Jahrerstag des Denkmales.

Die Einrichtung des Denkmals geht auf eine Initiative des Ruhlaer Pfarrers Lothar Koch zurück. Ursprünglich wurde das Felsmassiv "Glöckner" als Gedenkstätte für die Leistungen des Försters Gottlob König im Jahre 1813 von seinen ehemaligen Schülern der im gleichen Jahr gegründeten Forstschule Ruhla eingeweiht.

die ehemalige Forstschule in Ruhla (Bilder: archiv-rüger)

So wurde der östliche Teil der Felsgruppe ein Wahrzeichen für die forstlichen Leistungen von Gottlob König. Auf der westlichen Felsgruppe hingegen erinnert nur noch der sich dort befindliche "Königsstuhl", ein aus Ruhlaer Granit gehauener Stuhl, an Gottlob König.

Gottlob König

Am Rande der östlichen Felsgruppe befindet sich auch der als "Rennsteigsphinx" später bekannt gewordene Einzelfelsen mit der für manchen Besucher rätselhaften Inschrift: 1813 WURDE HIER GEPFLANZT FÜR 1871. Bereits Plänckner erwähnte diese Inschrift im Jahre 1830. Die Erklärung ist einfach, sie steht ja in Fels gemeißelt vor uns. In seinen forstlichen Berechnungen geht König davon aus, dass man das Holz, welches 1813 gepflanzt wurde, im Jahre 1871 verwerten konnte.

Mit der am 08. Juni 1922 eingeweihten Gedenkstätte erinnert man an die gefallenen Renner im ersten Weltkrieg.

Die Vorbereitungen zur 100-Jahrfeier übernahm die Ortsgruppe Ruhla des Rennsteigvereins 1896 e.V. Durch den Bauhof der Stadt Ruhla wurde zusätzlich noch eine neue Sitzgruppe aufgestellt. Die Frauen der Ruhlaer Ortsgruppe des Rennsteigvereins sorgten mit schmackhaften Kuchen für das Wohl der anwesenden Gäste.

Um 14.00 Uhr begannen die Feierlichkeiten am Glöckner. Trotz hoher Temperaturen, waren ca. 100 Besucher gekommen. Die  Geißenalmer Alphornbläser eröffneten die Gedenkfeier. Der Ruhlaer Bürgermeister Dr. Slotosch begrüßte die Gäste.

Christine Lieberknecht, Präsidentin des Thüringer Wanderverbandes und Thüringer Ministerpräsidentin a.D. hielt die nachstehende Gedenkrede. Lutz Hähner trug anschließend Victor von Scheffels Rennsteig-Epos vor. Nach dem gemeinsamen Singen des Rennsteigliedes von Herbert Roth, überreichte Lutz Hähner die Wimpelbänder an die anwesenden Ortsgruppen.

Es war ein besonderer Nachmittag, ein Nachmittag der Besinnung, ein Nachmittag der Wiedersehensfreude, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Karte aus dem ehemaligen Katasteramt Bad Salzungen von 1788 mit der Glöckner (Glöckler) Felsgruppe

zu Beginn des 20. Jahrhunderts

um 1936

 Königsstuhl, hier mit Julius Kober um 1936

2002

2004

2018

100 Jahre Ehrenmal des Rennsteigvereins 1896 e.V. am Glöckner

G e d e n k r e d e   am   18. J u n i 2022

Lieber Erster Fürsteher Prof. Harald Töpfer,
liebe Rennerinnen und Renner,
lieber Bürgermeister Dr. Gerald Slotosch,
liebe Wanderfreundinnen und Wanderfreunde aus Nah und Fern,

herzlichen Dank für die Initiative und Einladung zum Gedenken an die Weihefeier am Ehrenmal für die gefallenen Renner des Ersten Weltkriegs vor einhundert Jahren.

Heute ist dieses Ehrenmal allen gestorbenen Rennerinnen und Rennern des Rennsteigvereins gewidmet.

Am 8. Juni 1922 hat die Weihe dieses Ehrenmals stattgefunden. Damals trauerten die Menschen im ganzen Land um die Toten. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jeder noch so kleinen Gemeinde errichteten die Hinterbliebenen ein „Kriegerdenkmal“. Der Blutzoll, den damals Hunderttausende, ja Millionen von Familien im Land für die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, wie man später den Ersten Weltkrieg bezeichnete, entrichtet hatten, wog schwer. Bis heute legen Kirmesvereine in den Dörfern Kränze an den Denkmalen für die Gefallenen und Opfer der Weltkriege nieder und ein Trompeter spielt das Lied vom „Guten Kameraden“.

Ich erinnere mich an meine Kindheit. Die Großmütter von damals trauerten noch bis in die 1960er, 70er und 80er Jahre, kurz: so lange sie lebten, um ihre im Ersten Weltkrieg verlorenen Brüder. Im Zweiten Weltkrieg waren es die Söhne. Das ist mir tief erinnerlich.

Zugleich waren die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg eine Zeit der Hoffnung, das Aufbruchs, der Sehnsucht nach neuem Leben derer, die davon gekommen waren.

„Das Alte stürzt,
es ändert sich die Zeit
und neues Leben
blüht aus den Ruinen.
Und neues Leben blüht...“

Das sind Verse, die die jungen Schülerinnen und Schüler 1920 am Weimarer Bauhaus hundertfach, ja tausendfach, für ihre Schriftübungen nutzten. (Ein Exponat im Weimarer Bauhausmuseum hat uns diese Verse überliefert.)

Wieviel Hoffnung, wieviel Neubeginn spricht aus diesen Versen!

In der Wanderbewegung erhielt das Jugendwandern einen enormen Aufschwung und erreichte eine einmalige Beliebtheit. Ja – es war zur Botschaft einer ganzen Generation geworden: Hinaus in die Natur. Da bist du frei!

Manche sprachen sogar von einer „Revolution der Seele“ (Muck Lamberty).

Charismatische Gruppen wie die „Neue Schar“ zogen mit ihren Anführern durch die deutschen Länder, auch hier in Thüringen, und verkündeten einen regelrechten „Jugendrausch“. Einer der prominentesten war Friedrich, genannt Muck, Lamberty. Auf von ihm verfassten Flugblättern und Handzetteln war zu lesen:

„So kommt es sicher, dass die Jungen sich verbinden, gegen alles Morsche und Faule und gegen die Verderbtheit der heutigen Gesellschaft zu kämpfen, die Jugend, die über allen Parteien steht, um des Lebens willen… Wir wollen mit euch leben und kämpfen gegen Vergnügungen aller Art, die die Jugend ausbeuten an Leib und Seele aus Geldinteressen, und rufen euch auf, die Tage mit uns zu verbringen in rechter Fröhlichkeit.“

Soweit eine damals im Jugendwandern verbreitete Stimmung in einer auch politisch sehr unruhigen Zeit für die junge Weimarer Republik.

Liebe Rennerinnen und Renner,

der Rennsteigverein hielt in dieser Zeit des Aufbruchs und des Neuanfangs seiner Tradition und seiner Geschichte die Treue.

Er betrauerte seine im Krieg gefallenen Renner und errichtete ihnen dieses Ehrenmal.

Gleichzeitig aber war den damals Verantwortlichen wichtig, die im Krieg gefallenen Renner einzubetten in ein Ehrenmal, das den toten Rennerinnen und Rennern des ganzen Rennsteigvereins 1896 gelten sollte.

Wie die Rennerinnen und Renner immer Teil der ganzen Familie des Rennsteigvereins sind, so sollten sie auch im Tod Teil dieser Familie bleiben – also beieinander.

Eindrücklich stehen dafür die Namen der Gründer Ludwig Hertel, gestorben 1910 und Johannes Bühring, dessen Gedenken man nach seinem Tod im Jahr 1937 hinzufügte.

Besonders beim Gedenken an Johannes Bühring bewegt es mich bis heute, dass unser Gedenken an den Vater 1937 seinen drei ums Leben gekommenen Söhnen folgte. (Zwei Söhne fielen im Ersten Weltkrieg, einer starb danach.)

Das sind Schicksale von Familien, die uns heute mit dem brutalen Überfall Russlands auf die Ukraine wieder ganz neu vor Augen stehen.

Die allermeisten von uns – auch ich – hätten einen solchen Krieg nicht mehr für möglich gehalten, nicht in Europa.

Und wohl nicht nur ich frage mich: Werden dieses Leiden und Sterben, werden dieser Hass und die nackte, abgrundtiefe Gewalt denn niemals aufhören? Was geht in den Hirnen von Menschen vor, die wissen, dass mit ihren Waffen Menschen brutal zu Tode kommen? Was sind das für Irrungen, für Verblendungen? Abgrundtief!

Der Initiator dieses Ehrenmals und damaliges Vorstandsmitglied im Rennsteigverein, Pfarrer Lothar Koch, nahm diese klagenden Fragen auf. Er zitierte bei der Einweihung des Mahnmals am 8. Juni 1922 ein altes Wallfahrtslied, einen Psalm aus der Bibel. Es ist der Psalm 121, Vers 1-2. Den Hinweis darauf haben wir auf unserem Weg hierher zur Erinnerung daran auf einen Stein geschrieben lesen können.

Wie es damals am 8. Juni 1922 Lothar Koch getan hat, lese ich Psalm 121:

1 „Ich hebe meinen Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?
2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
4 Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.
5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts.
7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.
8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!“

Liebe Rennerinnen und Renner,

Gott übersteigt unsere Vernunft. Seine Wege sind nicht unsere Wege.

Viele können heute damit nicht mehr viel anfangen. Trotzdem finde ich diese Worte tröstlich. Ganz gleich welcher Religion jemand angehört, oder ob er überhaupt nicht religiös gebunden ist, erlebe ich immer wieder:

Wenn wir aufschauen zu den Bergen, wenn wir uns wandernd in Wald und Flur, auf Wiesen und Auen, am Wasser und am Uferrand bewegen, ereignet sich etwas ganz Berührendes:

Unsere Sinne können Gott nicht ergründen. Aber:

Wir können s e h e n   - das Licht, die Sonne, die Sterne in der Nacht, manchmal sogar ein Glühwürmchen, einen Regenbogen…

Wir können h ö r e n   - die Vögel, das Rascheln im Laub, das Säuseln des Winds in den Bäumen, das Quaken der Frösche und Schnattern der Enten am Weyer…

Wir können r i e c h e n - die Blumen auf der Wiese, Blüten an den Sträuchern, Pilze im Waldboden, die frische Erde nach einem Regenguss…

Wir können s c h m e c k e n - Sauerampfer auf der Wiese, das Wasser aus der Quelle, Beeren im Wald, Haselnüsse und Bucheckern, Felsenbirnen…

Wir können f ü h l e n - die Feuchtigkeit der Luft auf unserer Haut, die Wärme des Tages und die Kühle der Nacht, das Moos unter unseren Füßen…

Mit unseren Sinnen dürfen wir uns beheimatet fühlen in der Natur, die wir durchwandern,

die wir - mit keinem Auto, mit keinem Flugzeug und auf keiner Datenautobahn – sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen können.

Und: Wir ahnen, wie einmalig sie ist; aber auch, wie viel wir durch den Expansionsdrang des Menschen bereits verloren haben.

Der Rennsteig hatte ja schon immer eine ganz besondere Anziehungskraft. Er zog die Wanderer in seinen Bann als Geschenk von Gottes schöner Natur und mit seinen kulturgeschichtlichen Spuren unserer Vorfahren: die Grenzsteine, die vielen „Dreiherrensteinen“, die in der Regel vom friedlichen Zusammenleben und der Akzeptanz einmal vereinbarter Grenzen früherer Generationen zeugen, die Steinkreuze mit ihren Geschichten und Legenden, Gedenksteine, wie hier am Glöckner…

Wer einmal diesen Jungbrunn fand, der schöpft aus keinem andern: Thüringer Wald, Thüringer Land, nur hier mag ich noch wandern.“ So hat es Victor Scheffel seinerzeit empfunden und uns überliefert.

Liebe Rennerinnen und Renner,

da ist es nur folgerichtig und gut, einen Ort inmitten dieser wunderbaren Landschaft zu haben, von dem wir wissen:

Wenn ich einmal meine letzte Wanderung vollendet haben werde, gibt es einen Ort, da werden die Rennerinnen und Renner meines Vereins auch an mich denken. Sie werden an mich denken, wie sie das nun schon seit einhundert Jahren tun.

Und was waren das für einhundert Jahre mit all den Brüchen, mit all den Höhen und Tiefen, mit dem Exil des Rennsteigvereins in der Zeit der deutschen Teilung und der glücklichen Wiedervereinigung aller Rennerinnen und Renner am 28. April 1990.

So denken wir in dieser Stunde an die Gefallenen und Opfer der Kriege. Wir denken an die ersten Rennerinnen und Renner, die einst den Rennsteigverein gründeten und ihm vorstanden. Wir denken an alle Rennerinnen und Renner, die den Rennsteigverein über die Jahrzehnte geführt und getragen haben, die sich als Mitglied verbunden fühlten und denen der Verein Gemeinschaft und Heimat gab.

Wir denken, so wie es Lutz Hähner in der Ankündigung zur heutigen Feierstunde schrieb: „an all unsere Wanderfreundinnen und Wanderfreunde, die viele Jahre an unserer Seite gewandert und schon von uns gegangen sind.“

Lieber Lutz,

liebe Wanderfreundinnen und Wanderfreunde,
liebe Rennerinnen und Renner,

die meisten von Euch lesen, so wie ich, das Mareile.
Wer die Seite 3 der aktuellen Ausgabe (29.Jg., Nr.2) zu unserer Gedenkveranstaltung aufschlägt, der hat die Botschaft unseres Gedenkens auf einen Blick: Das Ehrenmal inmitten der magischen Landschaft, die vor uns war und lange noch nach uns sein wird. Diese Landschaft braucht den Menschen nicht. Aber wir brauchen sie.

Rechts oben auf dieser Seite ist die Taube mit dem Ölzweig zu sehen. Der Ölzweig ist das hoffnungsvolle Zeichen für einen neuen Anfang: Land in Sicht. In den Kirchen über vielen Taufsteinen und unter den Kanzeldeckeln symbolisiert die Taube den Heiligen Geist. Pablo Picasso zeichnete diese Taube als Friedenstaube zur Ersten Weltfriedenskonferenz 1949.

Eine damals junge Lehrerin in Nordhausen, Erika Schirmer, schrieb dazu das links oben stehende, uns allen bekannte Lied „Kleine weiße Friedenstaube“.

Sie ist Jahrgang 1926 und wird am 31. Juli 96 Jahre alt. Die damalige, wie unsere heutige Friedensbotschaft und Hoffnung hat sie in so wunderbare Worte gefasst, dass ich meine Rede gerne mit diesen Worten schließen möchte:

„Kleine weiße Friedenstaube, fliege übers Land;
Allen Menschen, groß und kleinen, bist du wohlbekannt.
Du sollst fliegen, Friedenstaube, allen sag es hier,
dass nie wieder Krieg wir wollen, Frieden wollen wir.
Fliege übers große Wasser, über Berg und Tal;
Bringe allen Menschen Frieden, grüß sie tausendmal.
Und wir wünschen für die Reise Freude und viel Glück,
Kleine weiße Friedenstaube, komm recht bald zurück!“

(Erika Schirmer, 1948)

Ich danke für die Aufmerksamkeit.
Christine Lieberknecht