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Glücksthal, Bernhardsthal

Zur Geschichte der Glashüttensiedlung Glücksthal und der Tafelglashütte Bernhardsthal (unter Verwendung von Forschungen von Dr. Kühnert und eigenen Recherchen) - mit Anmerkungen zur regionalgeschichtlichen Entwicklung

Abschrift mit freundlicher Genehmigung des verstorbenen Ortschronisten Adolf Bräutigam Neuhaus am Rennweg

„Ein Unglück soll es gewesen sein, so in dasiger Gegend ein Insekt die Bäume benagte und vergiftete, dass sie alle abstarben“, schrieb 1781 Kessler von Sprengseysen in seiner Topographie des Herzoglichen Sachsen-Coburg-Meiningischen Antheils am Herzogthum Coburg- und es muß angenommen werden, dass der Borkenkäfer oder ein anderer Forstschädling die Wälder vernichtet hatte.

Die beiden Lauschaer Glasmacher Stephan und Johann Greiner suchten bei der Landesherrschaft in Meiningen um eine Konzession für das Betreiben einer Glashütte nach, die sie „Glücksthal“ nennen wollten.

Das vom Forstschädling übrig gebliebene Holz konnte man für die Glasherstellung verwenden.

Sie erhielten 1737 die Konzession. Man rodete das Land, baute Wohnhäuser, eine Glashütte und Nebengebäude und legte Äcker und Wiesen an. Bei der Be-wohnbarmachung der Glashüttensiedlung „Glücksthal“ stellte man bei der Gründung der Häuser fest, dass dort schon Behausungen gestanden haben müssen, vermutlich eine Schmiede. Auch fand man im Boden Pechreste, vermutlich von einer ehemaligen Pechhütte. In der Nähe der Siedlung fand man Reste von ehemaligen Hammerwerken.

Am 13. August 1738 begann man mit der Glasherstellung. Es wurden u.a. Wein- und Biergläser hergestellt. Das Glas, wird berichtet, soll von guter Qualität gewesen sein, es behielt seinen Glanz und seine Reinheit und wurde nicht blind.

Das Geschäft ging gut, man exportierte die Waren sogar nach Rußland, Spanien und in die Türkei. Solange das Bruchholz reichte, arbeiteten 24 Männer am Ofen, doch schon 1768 ging das Schadholz zu Ende und der Meininger Hof kürzte die Holzzuweisung auf ein Drittel.

Dazu kam, dass in dieser Zeit z.B. in Preußen und Rußland eigene Glashütten gegründet wurden und sich die Hungerjahre 1771 bis 1773 ungünstig auf den Absatz der Gläser auswirkten.

Um 1800 ging die Produktion weiter zurück. Damals lebten 27 Erwachsene und 4 Kinder in der Glashüttensiedlung „Glücksthal“.

Die Nachkommen der beiden Greiners, Johann, Traugott und Schwester Friedericke Schreiter haben 1809 einen Erbvertrag gut zu Ende gebracht, doch die Wirren der Napoleonzeit und der frühe Tod Traugott Greiners beschleunigten den Niedergang.

Noch einmal versuchte die nächste Generation, einen Aufschwung zu erreichen. Man ersuchte den Meininger Herzog Bernhard Erich Freund um Holz und Konzession für eine weitere Hütte „unter dem alten Gründleinsteich“. Die Konzession wurde ab 1829 erteilt und man nannte die Glashütte „Bernhardsthal“. Daneben produzierte man in „Glücksthal“ weiter.

1834 verkaufte Justus Greiner seine Anteile an „Bernhardsthal“, um in „Glücksthal“ rentabler zu produzieren. Er forderte auch die Glücksthaler Holzrechte zurück.

Auch Geschehnisse umrankten die Glashüttengeschichte. So ist aus Aufzeichnungen des damaligen Feldjägers Stier zu erfahren, dass am 14. Juni 1838 in der Tafelglashütte „Bernhardsthal“ eingebrochen wurde und die Diebe mit einer Beute von 900 Gulden das Weite suchten.

Nach ca. 1 Jahr, hier endeten die Aufzeichnungen des Feldjägers Stier, war der Einbruchsdiebstahl noch nicht aufgeklärt. Ob er je aufgeklärt wurde, ist nicht bekannt.

Großes Aufsehen in der ganzen Gegend machte ein Verbrechen im Jahre 1844 in Bernhardsthal, das als „Adamsschlacht“ in die Geschichte einging, weil der Mörder und Selbstmörder Adam Büttner hieß.

Aus einem Brief an den Schullehrer Hugo Walter in Wernshausen, geschrieben von seinem Vater am 06. März 1844, geht u.a. dazu folgendes hervor:

„In kurzer Zeit sind in unserer Gegend mehrere schauderhafte Geschichten vorgefallen. So hat vor einigen Wochen ein lediges Weibsbild von Steinheide ihr neugeborenes Kind umgebracht. Sie sitzt im Gefängnis, ihr Urtheil erwartend.“

Im Vorwort der Moritat heißt es u.a.: „Adam Büttner, gebürtig aus Neundorf bei Schalkau im Herzogthum Sachsen-Meiningen hatte, so viel man weiß, in seiner Kindheit religiösen Schulunterricht genossen, nach seinen Schuljahren sich hier und da mit ökonomischen Arbeiten beschäftigt, bei herangenahten Jünglingsjahren sich unter das Militär begeben und mehreren Feldzügen jener Zeit mit beigewohnt; nach erhaltenen Abschiede vermiethete sich derselbe bei den Herrn Hauptmann Greiner in Glücksthal als Dienstknecht, verheiratete sich nachher und erwarb immer durch Fleiß und Thätigkeit in verschiedenen Arbeiten auf der Glastafelhütte sein dürftiges Auskommen.

Am 27. Februar 1844 morgens gegen ... Uhr, ermordete er in seiner Wohnung zu Bernhardsthal nicht nur allein seine Gattin, von 42 Jahren, welcher er mit dem Beil den Kopf zerspalten, sondern auch seine 4 unmündigen Kinder auf die gleiche Weise, wovon theils mit 2 und theils mit 3 Hiebwunden ganz unkenntlich zugerichtet waren und zögerte nicht, nach vollbrachter schauderhafter That seine schwarze Seele durch sein eigenes Schießgewehr der Welt zu entziehen.

Niemand in dieser Gegend kann auf den Grund der Ursache gelangen.“

Auch heute gibt es grausige Verbrechen, sicherlich mehr als zur damaligen Zeit. Die elektronischen Medien, Zeitungen und die Boulevardpresse verbreiten sie in Windeseile um die ganze Welt.

Moritaten darüber haben sich aus diesem Grund längst überholt. Die Vielzahl der Ereignisse lässt sie auch nur begrenzt in das Bewusstsein der Menschen unserer Zeit eindringen. Die Schnellebigkeit unserer Zeit und die Informationsübersättigung führen dazu, dass viele der Informationen über solche Geschehnisse nur oberflächlich aufgenommen werden.

1845 brannte Bernhardsthal ab. In diesem Jahr starb auch der letzte Hüttenmeister Traugott Christian Greiner, der mit anderen Bewohnern auf dem kleinen Waldfriedhof in Glücksthal beerdigt ist.

Das Ende von „Glücksthal“ und „Bernhardsthal“ kam immer näher. 1860/61 wurden die beiden Glashüttenstandorte geschleift.

2 Häuser aus „Glücksthal“ wurden nachweislich in Wallendorf, heute Lichte, Kreis Saalfeld- Rudolstadt, wieder aufgebaut, darunter das Hüttenmeisterhaus von „Glücksthal“, das noch heute am „Piesau-Viadukt“ steht.

Um 1900 schrieb der Leherer L. Pfeifer aus Rudolstadt einen Artikel mit dem Titel „Rennsteigbilder- Neuhaus und Umgebung“, in dem es u.a. heißt: „Mit welcher Pietät die Bewohner des Waldes Erinnerungsstätten von längst vergangenen Zeiten pflegen, davon zum Schluß einige Beispiele: Zwischen Neuhaus und Lauscha liegt links der Straße auf grüner Bergwiese Glücksthal. Früher befand sich hier eine Glashütte, in der fleißige Arbeiter früh und spät die Hände regten. Nun ist die Hütte verschwunden, die Wohnhäuser sind abgebrochen und anderswo wieder aufgebaut, aber der schlichte Friedhof ist geblieben. Hart am Waldrande grüßt der eingefriedete, von stattlichen Tannen beschattete Platz, wo die ehemaligen Bewohner ihre letzte Ruhe gefunden. Mehr denn dreißig Jahre sind verrauscht im Strome der Zeit, seit der letzte Anlieger fortgezogen, und doch sind die Gräber mit Blumen bepflanzt und wohl erhalten“.

Eine letzte Episode aus der Glashüttengeschichte von „Glücksthal“ ist erst vor wenigen Jahren zu Ende gegangen.

1992 kam Prof. Lechat aus Brüssel nach Neuhaus am Rennweg. Er ist ein Nachkomme der Greiners aus Glücksthal. Für die Unterstützung durch den Gastwirt vom Hotel „Oberland“, Herrn Thomas Schmidt, bei der Aufsuche von „Glücksthal“ schickte Prof. Lechat an Herrn Schmidt eine Farbfotografie eines Ölgemäldes, das bei ihm in Brüssel in der Wohnung hängt. Nach seinen Angaben wurde das Ölgemälde, das „Glücksthal“ in seiner Blüte darstellt, in der Familie immer weiter vererbt. Das Ölgemälde gelangte sicherlich im Jahre 1831 von „Glücksthal“ nach Belgien.

Zu dieser Zeit gingen im Gefolge des Prinzen Leopold von Sachsen-Coburg, der durch Heirat auf den belgischen Thron gelangte, einige Söhne und eine Tochter des letzten Glasmeisters von „Glücksthal“ mit nach Belgien. Sie hatten besondere Vertrauensstellungen am Hof. Nachkommen davon hatten später führende Stellungen in der belgischen Wirtschaft.

Das Ölbild von „Glücksthal“ nahmen die damaligen Auswanderer sicherlich als Andenken an ihre Heimat mit nach Belgien.

Durch den Besuch von Prof. Lechat kam eine Fotografie des Ölbildes nach Neuhaus am Rennweg zurück. Es zeigt die erste tatsächliche Darstellung der ehemaligen Glashüttensiedlung „Glücksthal“.

Herr Schmidt stellte es dem Heimatmuseum „Geißlerhaus“ zur Verfügung. Dafür vielen Dank.

„Glücksthal“ wird auch heute noch liebevoll gepflegt. Durch ABM- Kräfte wurde eine neue Schutzhütte, Sitzgruppen und die Friedhofsumzäunung neu gebaut. Der kleine Waldfriedhof liegt unter Fichten versteckt. Ein Gewölbekeller ist als Bodendenkmal in die Denkmalschutzliste des Kreises Sonneberg aufgenommen worden. Die Thüringerwald- Vereine Lauscha und Neuhaus am Rennweg fühlen sich seit ihrem Bestehen immer für die Pflege von „Glücksthal“ verantwortlich.

Auf einer Tafel mit geschichtlichen Daten ist auch ein Gemälde der Fotografie des Ölbildes zu sehen, das Prof. Lechat in seinem Besitz hat.

„Glücksthal“ ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Nach der Wende wird in „Glücksthal“ am Pfingstmontag wieder Waldgottesdienst abgehalten. Solche Waldgottesdienste gab es auch schon zu Anfang unseres Jahrhunderts (20.Jahrhundert, Beitrag entstand im Juni 1998) an gleicher Stelle.

„Glücksthal“ ist ein Kleinod, das nur 500 m entfernt vom Parkplatz in Bernhardsthal links der B 281 in Richtung Steinheid liegt. Eine Wanderung nach „Glücksthal“ ist zugleich eine Wanderung in die jüngere Geschichte unserer Region.

Bernhardsthal ist heute ein idyllisch gelegenes Waldbad nahe bei Neuhaus am Rennweg.

 

  • Anmerkungen:
  • Die erste von der Mutterglashütte Lauscha/ 1597 gegründete Tochterglashütte war die spätere Glashüttensiedlung Schmalenbuche (1607), der eigentliche Ursprung des heutigen Neuhaus am Rennweg.
  • Am 10. November 1736 erhielten nach mehrmaligen Antrag die Glasmeister und Glasmaler Nicol Greiner, Georg Heinrich Greiner und Hans Michael Heintze aus Schmalenbuche, wo seit 1607 von Lauscha aus eine Glashütte gegründet und betrieben wurde, von dem regierenden Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt, Friedrich Anton, die Genehmigung, im Scheiber Forst, unweit des Reifweges im sogenannten Habichtsbach, eine Glashütte anzulegen.

Diese Glashüttensiedlung existierte mit Unterbrechungen nur bis zum Jahre 1838. 1838 wurden die Gebäude abgetragen.

Glücksthal und Habichtsbach lagen nur ca. 1 km auseinander. Dazwischen verläuft der Rennsteig, der zugleich damals Landesgrenze zwischen dem Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt und dem Herzogtum Sachsen-Meiningen war.

Ab 1813 scheint die Glashütte Habichtsbach nicht mehr produziert zu haben.

Der Herrschaft in Rudolstadt war die Ansiedlung im versteckten Wald bald ein Dorn im Auge. Bis Anfang der 30 er Jahre dämmerte Habichtsbach so vor sich hin. 1831 begann die Regierung in Rudolstadt die verschiedenen Anteile an Habichtsbach aufzukaufen. Ziel war es, Habichtsbach zu schleifen. Der Schlupfwinkel für Holz- und Wilddiebe sollte ausgeräumt werden, wie es die damalige Obrigkeit formulierte. Man warf den zu dieser Zeit noch dort wohnenden Familien vor, ihren Grundbesitz durch eigenmächtiges Versetzen der Grenzsteine vergrößert zu haben.

  • Die Glashütte Schmalenbuche produzierte an verschiedenen Standorten bis Ende der 20 er Jahre unseres Jahrhunderts (gemeint ist das 20. Jahrhundert).

Neuhaus, ab 1861/62 Neuhaus am Rennweg, war 1668-1673 durch den Bau eines Jagdhauses mit Nebengebäuden der damaligen Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt entstanden. Igelshieb wurde 1732 erstmals erwähnt und gehörte zum Herzogtum Sachsen- Meiningen.

Der Rennsteig trennte als Landesgrenze die Ortschaften Schmaenbuche und Neuhaus (Schwarzburg-Rudolstadt) und Igelshieb (Sachsen-Meiningen) bis zum Jahre 1918.

Am 01. April 1923 schlossen sich die Ortschaften Schmalenbuche, Igelshieb am Rennsteig und Neuhaus am Rennweg zum Ort Neuhaus am Rennweg-Igelshieb zusammen. 1933 entstand die Stadt Neuhaus am Rennweg.

 

 

Glücksthal im frühen 19. Jh., Foto Repro archiv-rueger

Glücksthal auf einem Rennsteigriss aus dem Jahre 1794 (repro archiv-rueger)

Bernhardsthal, Repro archiv-rueger (diese und folgende)

Darstellung auf einer fortgeschriebenen Meininger Forstkarte, erste Hälfte des 19. Jh

 

 

Habichtsbach

Im damaligen Herrschaftsbereich des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt

Darstellung der Glahütte auf einem Rennsteigriss aus dem Jahre 1794 (repro archiv-rueger)