Runst

Der Rennergruß "Gut Runst"

Gut Runst, Gut Runst, Gut Runst! Oh lebe fort auf edle Art,du herrlich schöne, du schöne Rennsteigfahrt!

Runst 1956, Waldhaus Waidmannsheil, Foto: Günther Weiß  

Die Geschichte des Rennergrußes beginnt zur Pfingstrunst im Jahr 1900. Vom 02. Juni bis 08. Juni wollte man den Rennsteig von Blankenstein bis Hörschel bezwingen. Am 02. Juni, abends, fand im Waldhaus die Jahres-hauptversammlung statt. Anlässlich dieser Versammlung wurde aber, wie aus den nachfolgenden Ausführungen hervor geht, der Rennergruß "Gut Runst" nicht geprägt.

Vielmehr geht aus Berichten von Beteiligten der damaligen Runst hervor, dass der Gruß offenbar am 04. Juni 1900 in den Morgenstunden an der Teufelsbuche geprägt wurde.

Teufelsbuche um 1950 (Foto: fotoarchiv-rüger)


Zuerst wurde der Schriftführer Hartenstein als geistiger Vater des Grußes genannt. Dieser verneinte aber in einer Stellungnahme im Mareile vom 05. Juli 1900 auf Seite 5, der geistige Vater dieses Scheusals zu sein. Er geht davon aus, dass der Gruß in den heißen Tagen des 02. bis 06. Juni entstanden ist.
Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte am 07. Juni 1900 auf einer Postkarte, die Josef Berta an Ludwig Hertel von der Wartburg schrieb:

Was ist da meine ganze Kunst gegen seine gewaltige Runst!

Diesen Spruch lässt Berta einen Wartburgesel ausrufen, der seine Leistungen mit denen eines Renners vergleicht.
Um nun endgültige Gewissheit über den Zeitpunkt der Entstehung des Rennerspruches zu erhalten, müssen wir in das Jahr 1930 gehen.
Dort meldet sich der wirkliche Vater von "Gut Runst", Josef Berta, zu Wort:

So kam das Rennerhäuflein am Porphyr Trinii, der Schwalbenhauptwiese vorbei zur Teufelsbuche.
Hier, auf der Bank unter dieser merkwürdigen Buche wurde der seltsam anmutende Rennergruß
"Gut Runst" geprägt.

Soweit die Anmerkungen von Josef Berta im Mareile Nr. 5 vom 01. September 1930 auf Seite 136 – 137.
Noch auf der Bank an der Teufelsbuche sprachen Hartenstein, Hertel und Berta über die Notwendigkeit eines einheitlichen Rennergrußes. Eben da betonte Hertel, dass "Kunst" nicht von "können", sondern von "kennen" abzuleiten ist. Darauf folgerte Berta logischerweise, dass man "Runst" von "rennen" ableiten kann.

Frei nach Hertel kann man den Spruch auch so interpretieren:

Kunst kommt von kennen,
Brunst kommt von brennen
und
Runst kommt von rennen.

Der Spruch wurde mehr oder weniger ironisch in Gebrauch genommen, er hielt sich trotz seiner Derbheit und ist heute nicht mehr aus dem Sprachgebrauch der Renner zu verdrängen.

Übrigens wird im Wörterbuch der Deutschen Sprache von Jacob und Wilhelm Grimm im Band 11 der Begriff Kunst von können abgeleitet, eine weitere Deutung, die aber für unsere Betrachtung nicht weiter relevant sein soll.

Runstgesang am Dreistromstein um 1950(Foto: fotoarchiv-rüger, Repro)

Auch die Sprachwissenschaft versuchte, den Begriff "Runst" zu deuten. Folgende Erklärungen wurden dabei gegeben:

1. Der Begriff Runs, Runs, Runst stammt aus dem Schwäbischen und wird dort mundartlich rons mit nasaliertem au gesprochen, daher oft auch Rauns geschrieben.
Er bedeutet das Fließen des Wassers, Wasserrinne, Bachbett, Graben, auch Felsspalt, steiler Bergeinschnitt, auf dem Holz zu Tal befördert wird.

2. In Band 14 des Wörterbuches der Deuschen Sprache wird Runst in Verbindung mit fließendem oder strömenden Wasser genannt (vergl. dazu auch den Begriff: blutrünstig), vielleicht auch in weiterem Sinne in der Bedeutung von laufendem Wasser.

3. Übersetzung aus dem Englischen: to run = rennen, laufen
Hier finden wir also die Querverbindung zu Laufen wieder, die in diesem Zusammenhang eigentlich auch Sinn macht.

Quellen

  • Eigene Recherchen
  • Mareile, Bote des Rennsteigvereins. Zweite Reihe. 05. Juli 1900. Seite 3,5.
  • Mareile, Bote des Rennsteigvereins. II. Jahrgang. Nr. 5 vom 01. September 1930. Seite 136-137.
  • Julius Kober: Im Zauberbann des Rennsteiges. Engelhard-Reyher-Verlag. Gotha 1939. Seite 107.
  • Josef Schnetz: Flurnamenkunde 2. unveränderte Auflage. Erschienen im Selbstverlag des Verbandes für Flurnamenkunde in Bayern e.V. München 1963. Seite 51.
  • Jacob und Wilhelm Grimm: Wörterbuch der deutschen Sprache. Mehrere Bände.

Runstgesang 1940 (Repro: archiv-rüger)

Runstgesang jetzt, 2001 in Masserberg

Recherchiert habe ich den Begriff "Runst" auch im deutschsprachigem Bereich anderer Länder in Europa. So konnte ich beispielsweise im Vinschgau im Umkreis des Ortes Naturns in Südtirol eine Straße mit dem Namen "Via Runst" finden, die an einem "Runst-Hof" vorbei führt und oben am Berg bei einer "Runster-Mühle" endet.

Nach meinen Recherchen im Meraner Stadtarchiv, hat der Name Runst in Südtirol eine ähnliche Bedeutung wie bereits oben erwähnt in Schwaben.

Via Runst in Naturns, Vinschgau, Südtirol

der Wegweiser zur Runster-Mühle

vorbei am Runst-Hof

die Mühle

Ich bin mir sicher, dass es im deutschsprachigem Raum noch weitere geografische Namen mit der Bezeichnung "Runst" gibt und ich denke, dass der Begriff "Runst" nicht der Fantasie von Hertel, Hartenstein oder Berta entspringt, sondern ganz einfach ein zwar selten gebrauchter volkstümlicher Ausdruck in bestimmten geografischen Regionen des deutschsprachjigen Raumes ist, der bereits lange vor seinen "angeblichen Erfindern bekannt war.