20. Januar

Ski-Runst 2017.......Ski Heil! - Lutz Hähner

Eine Ski-Runst ist unter den heutigen klimatischen Bedingungen nicht sehr oft möglich, denn eine geschlossene Schneedecke über den gesamten Kamm des Rennsteigs ist selten vorhanden. Die Skier über weite Strecken des Rennsteigs zu tragen, ist aber auch nicht im Sinne des Erfinders. So trugen wir drei, Holger Nowak (OG Suhl), Susanne und ich (OG Hainich-Rennstieg) uns schon mehrere Jahre mit dem Gedanken, eine Ski-Runst durchzuführen, was immer wieder durch das schnell einsetzende Tauwetter vereitelt wurde. Wir wussten, sobald eine geschlossene Schneedecke, zumindest zwischen Hohe Sonne und Rodacherbrunn, vorhanden ist, müssen wir uns schnell entscheiden. Diese Voraussetzung war nun endlich in der 3. Januarwoche gegeben, also Mittwoch Zimmer gebucht und Freitag, dem 20.01., gings los. Was nun folgte, war ein 155 km langer Wintertraum durch die verschneite Märchenwelt des Thüringer und Frankenwaldes. An allen 5 Tagen hatten wir ideale Schneeverhältnisse und gut gespurte Loipen. 4 Tage blauer Himmel und Sonnenschein, nur am letzten Tag hatte sich die Sonne vor uns versteckt.

Wir starteten an der Hohen Sonne und hatten bis Ascherbrück erst einmal 5 km gewalzte Strecke zu bewältigen. Ab hier beginnt der 142 km lange Rennsteig-Skiwanderweg, der bis Brennersgrün gut ausgeschildert und geloipt ist. Er ist übrigens Mitteleuropas längster Fernskiwanderweg. Mit einer Mittagsrast in der Waldschänke „Dreiherrnstein“ und einer Umfahrung vom Oberen Beerberg, Großen Inselsberg, Trockenberg und Großen Jagdberg am Heuberghaus und Possenröder Kreuz vorbei waren wir nach 31 km an unserem Tagesziel, dem Berghotel Ebertswiese, angelangt. Der nächste Tag führte uns den Sperrhügel hinauf über Wachsenrasen und Hoher Schorn zu unserer Mittagsrast am Grenzadler. Weiter ging es vorbei am Rondell und Plänckners Aussicht bis zur Schmücke und 30,5 km waren geschafft. Am 3. Tag lagen bis Friedrichshöhe 38,5 km vor uns. Vorbei am Bahnhof Rennsteig kamen wir zur Rast im Café Spindler in Allzunah an. Weiter ging es über Großen Dreiherrenstein, durch Neustadt, an der Teufelsbuche vorbei zur Schwalbenhauptwiese. Hier machten wir in der Triniusbaude Kaffeepause. Nach dem Ersteberg, dem Eselsberg, der Eisfelder Ausspanne und einer Umfahrung der Pechleite hatten wir vor einsetzender Dunkelheit unser Tagesziel Friedrichshöhe erreicht. Der 4. Tag war mit 40 km bis Steinbach am Wald unsere längte Tagestour. Diese Etappe bietet zumindest an einem Montag kaum Einkehrmöglichkeiten, darum hatten wir vorgesorgt. Am Dreistromstein vorbei, durch Limbach, um Neuhaus herum kamen wir zum Ehrenmal des Thüringer Wintersportverbandes, wo wir eine Rast einlegten. Über Laubeshütte, Berggasthof am Brand, durch Spechtsbrunn ging es zur Kalten Küche und zur Schildwiese. Bis zum Abzweig nach Kehlbach hatten wir noch eine gut gespurte Loipe, dann haben wir unseren Weg bis Steinbach am Wald entlang der Frankenwaldhochstraße selbst gespurt. Der letzte Tag führte uns über den Schönwappenweg mit seinem Kurfürstenstein bis Brennersgrün. Dann haben wir uns noch 7 km durch Tiefschnee bis Rodacherbrunn gekämpft. Im „Mareile am Rennsteig“ war das Ende unserer Ski-Runst erreicht. Von hier sind wir mit Bus und Zug über Bad Lobenstein nach Hause gefahren. An allen Tagen haben wir mit Runstgesang und Wandergedicht die Traditionen des Rennsteigvereins eingehalten.

Abschließend möchte ich Folgendes sagen: Es waren dank des tollen Wetters sehr viele Skifahrer in der Loipe unterwegs. Aber bei Gesprächen mit den Wirtsleuten der Gasthäuser und Unterkünfte kam heraus, dass dieses tolle Gesamtangebot, das seit mehreren Jahren besteht, kaum angenommen wird, schade eigentlich. Eine Ski-Runst auf dem Rennsteig-Skiwanderweg kann ich jedem wärmstens empfehlen, der gern auf dem Rennsteig und auf Skiern unterwegs ist. Auch mir eröffneten sich neue Sichtweisen, obwohl ich glaubte, meinen Rennsteig zu kennen.

Wie schrieb Julius Kober:

Winter am Rennsteig! Welt voller Wunder,

selten von wirklichen Wandrern erlebt.

Du gabst uns Schönheit, Frohsinn und Sonne,

dass unser Herz noch vor Seligkeit bebt.

Es war übrigens die erste Ski-Runst des Rennsteigvereins seit dem 2. Weltkrieg, die dank der idealen Schneeverhältnisse getreu unserer Runstordnung von Hohe Sonne bis Rodacherbrunn durchgehend auf Skiern befahren wurde.

 

links: am Scheffeldenkmal, rechts: Gasthof Ebertswiese (von links nach rechts: Lutz Hähner, Susanne Hähner, Holger Nowak

 

lin: Dreistromstein, rechts: Mareile Rodacherbrunn

Bedanken möchte ich mich bei Lutz Hähner für den Beitrag und die Bilder.