20. April

Mit der heutigen Post erhielt ich das Antwortschreiben vom Landratsamt des Ilmkreises bezüglich meiner Anzeige (siehe 29. März) wegen der unhaltbaren Zustände am mittleren Rennstieg, verursacht durch die Bauarbeiten zur Verlegung einer Wasserleitung zwischen Allzunah und Neustadt am Rennsteig, vom 14. April 2016.

 

 

Bedanken möchte ich mich für die Bemühungen der Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde des Ilmkreises für den Ortstermin, wenngleich diese Bemühungen  das Problem  der ständigen Unterwanderung des Denkmalschutzes auf dem Rennsteig nicht dauerhaft verhindern können.

Stellen Sie sich vor, ein Versorgungsunternehmen möchte eine Haupttrinkwasserleitung von der Ortschaft, nennen wir sie "A", nach "B" verlegen. Dazwischen liegt die denkmalgeschützte Wartburg. Würden dort die gesetzlichen Regeln des Thüringer Denkmalschutzes genau so großzügig ausgelegt wie im Fall der Leitung am Rennsteig? Ich denke nicht. Aber gilt das Gesetz nicht gleichberechtigt für alle Denkmalschutzobjekte? Ich habe aktiv an den Vorbereitungsarbeiten zur Unterschutzstellung des Rennsteiges mitgearbeitet. Die mir seitens der Unteren Denkmalschutzbehörde eingangs in ihrem Schreiben mitgeteilten Sachverhalte und Belehrungen über Art und Umfang sind mir also hinlänglich bekannt. Die Änderungen von 1998 wären heute noch nicht im Thüringer Staatsanzeiger veröffentlicht worden, wenn ich nicht die Fachbehörde in Erfurt von diesem Versäumnis unterrichtet hätte, was die ganze Misere des Umgangs mit denkmalgeschützten vom Schlage des Rennsteiges umreißt.

Oder wie sieht es damit aus:Die Landrätin des Ilmkreises ist bekannt für ihren aktiven Einsatz zur Verhinderung einer 380kV-Leitung durch den Thüringer Wald, bezog sich bei ihrer Argumentation immer wieder auf die negativen Folgen für die Rennsteigregion. Warum hat sie sich nicht mit dem gleichen Engagement für die Trassenführung der Wasserleitung außerhalb des Rennsteigstreifens eingesetzt? Auch hier wird es negative Einflüsse auf den Tourismus der Region geben. Die zahlreichen Beschwerden von Wanderern sprechen für sich.

Im Antwortschreiben der Unteren Denkmalschutzbehörde wird immer  die Einvernehmlichkeit der Planungen mit den Belangen des Denkmalschutzes betont. das mag sein, aber hier geht es um die Bauausführung. Den Vertretern der örtlichen Vereine wurde immer wieder versichert, dass es für Wanderer keine Einschränkungen geben wird. Schon kurze Zeit nach dem Baubeginn musste auf Initiative des Regionalverbundes eine Ausweichstrecke ausgewiesen werden, weil der ursprüngliche Rennsteig nicht mehr begehbar war. Die Bilder von der Baustelle (siehe dazu meine Beiträge des 2. Halbjahres 2015) zeigen dieses Bild der örtlichen Situation.

Planen kann man mit Umsicht, oder man wählt den Weg des kleineren Übels, für den der Rennsteig schon sehr oft herhalten musste. Unterschiedliche Gesellschaftssysteme machten und machen dabei keinen Unterschied. Es zeugt nicht gerade von einer planerischen Meisterleistung, eine Trinkwassertrasse genau auf den bekanntesten Fernwanderweg Deutschlands zu planen und zu verlegen, aber finanzielle Erwägungen sind wichtiger. Folgearbeiten, wenn nicht gleich, aber spätestens in einigen Jahren, sind  schon vorprogrammiert. Man mag mir entgegnen, dort oben liegen doch schon einige Leitungen im Boden. Setzen wir halt noch Eine drauf! Eine Wasserleitung passt da auch noch rein. Übrigens verläuft parallel zum Rennsteig einer Straße von Neustadt nach Allzunah, wäre vielleicht eine Alternative gewesen. Aber der rollende Verkehr scheint wichtiger für die Region wie der Erholungswert eines denkmalgeschützten Fernwanderweges.

Im Auftrag des Regionalverbundes wurde der Rennsteig spürbar in seiner Infrastruktur aufgebessert. Ca. 14 Mio € wurden dafür aufgewendet. Die Farben vom "letzten Anstrich" sind noch nicht ganz trocken - und schon schickt man sich an, wieder den Flickenteppich aufzurollen, mit neuen Baustellen. Warum belässt man unseren Rennsteig nicht als das was er ist, einen Wanderweg für viele Menachen, die in der Natur Ruhe suchen und sich erholen wollen?

Seien Sie versichert, alles wird gut, es gibt keine massiven Versöße gegen den Denkmalschutz. Wir machen weiter so! Wir hören nichts, wir sehen nichts, wir sagen nichts - also können wir auch keine Fehler machen.

Manfred Kastner vom Thüringer Rennsteigverein e.V. Neustadt am Rennsteig stellte die nachfolgenden aktuellen Bilder von der "Baustelle" Rennsteig zur Verfügung, die Sprache, die diese Bilder sprechen stehen im Widerspruch zu den Aussagen des eingangs abgebildeten Schreibens der Unteren Denkmalschutzbehörde des Ilmkreises.

links: Straßenquerung bei der Alten Landesgrenze, rechts: zwischen Grenzstein 9 und 8 in Ri. Gr. Dreiherrenstein

links: von Stein 9 zum Druckunterbrecherbehälter, rechts: nach Ländergrenzstein 10

links: von Stein 12 in Richtung Stein 11, rechts: an der Pechhütte

Bemerkung: Zwischen Ländergrenzstein 16 an der Pechhütte und Ländergrenzstein Nr. 8 ist der Rennsteig als Weg nicht mehr definierbar, dort ist er Baustraße, die noch genutzt wird.

Das neue Wanderparadies zwischen Stein 2 und dem Parkplatz am Großen Dreiherrenstein, wäre mit Sicherheit ein Fall für das Amt für Arbeitsschutz, bezüglich der Baustellensicherung und Gefährdung der Wanderer.

Aktuelle Situation auf dem Parkplatz Großer Dreiherrenstein. Die Einhausung der Grenzsteine ist in Ordnung, die neue Rennsteigleiter wurde abgebaut.

Eine kurze Nachbemerkung zum Umgang mit denkmalgeschützten Objekten:

Wir schreiben den 11. August 2006. Ein bulgarischer Sattelzug beschädigt bei einem Wendemanöver auf dem Parkplatz am Großen Dreiherrenstein den Ländergrenzstein und den gegenüberliegenden historischen Entfernungsstein. Unsererseits wurde bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Ilmkreises eine Anzeige gegen den Fahrer des LKW (Verursacher bekannt, da Unfall erfasst wurde) eingereicht. Grenzstein und Entfernungsstein sind  noch nicht saniert worden, auf eine Rückantwort warten wir auch noch, der Fahrer wurde nicht belangt. Am 10. August 2016 ist das 10 Jahre her!

Ehre sei Gott in der Höhe!

Er hat die Berge so hoch gestellt,

Und tat damit seine Weisheit kund,

Damit nicht jeder Lumpenhund,

Mit denen die Täler so reichlich gesegnet,

Dem fröhlichen Wanderer hier oben begegnet,

Ehre sei Gott in der Höhe!

Viktor von Scheffel

 

21. April

Wanderparadies in Not

Das Freie Wort berichtet über die Situation der Wanderwege im Neuhäuser Raum. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel beabsichtigt die Stadtverwaltung nur noch die wichtigsten Wanderwege der Region zu erhalten. Das wären:

  • der Rennsteig
  • Wege über die Stockwiese in Richtung Trinius- und Fellbergbaude
  • Teile des Goldpfades im Einzugsgebiet der Stadt Neuhaus
  • der Sechs-Kuppen-Steig

Damit sind viele Ehrenamtliche nicht einverstanden. In ihrer Freizeit reparieren und sanieren sie touristische Einrichtungen, wie Schutzhütten, Sitzgruppen oder Wegweiser, oft ohne die notwendige Unterstützung der Stadt Neuhaus. Viel wird mit privaten Mitteln finanziert, die Anerkennung der Leistungen der Ehrenamtlichen bleibt aus, oder wenn es um die Begleichung von Kleinrechnungen für Verbrauchsmaterial geht, endet das meisten in einem bürokratischen Fiasko.

Ich weiß nicht, ob die Stadt Neuhaus mit diesem Verhalten richtig auf die Erfurter Vorgaben, den Gemeinden noch mehr Lasten aufzubürden reagiert, oder sich damit buchstäblich nur noch den bereits sehr dünnen Ast unter dem Hintern weg sägt. Die Region lebt nun einmal vom Tourismus und das ist kein Selbstläufer. Es ist schon beschämend genug, dass Tourismusverantwortliche auf Beratungen nicht anwesend sind, wenn es um die Erhaltung der touristischen Infrastruktur der Region geht. Solche Leute sind einfach fehl am Platze. Mit dem gespartem Geld könnte man schon wieder die eine oder andere Einrichtung entlang der Wanderwege finanzieren.

Dabei geht es auch um ganz banale Angelegenheiten, wie zum Beispiel die nach wie vor existierenden Hinweistafeln auf das seit geraumer Zeit geschlossene Fremdenverkehrsamt in Limbach, falsche Entfernungsangaben auf Wegweisern oder die Sicherung gefährdeter Rennsteiggrenzsteine im Bereich des Sandwieschens an der B281.

Grenzstein 97 von 1847 am Sandwieschen, mehrfach beschädigt

Raufe Nähe Hohe Heide

Sitzgruppe Pechleite

 

23. April

Vortrag zur Geschichte der Grumbacher Glashütte

im Rahmen der 400 Jahrfeier von Grumbach, von Annerose Zehmisch (Text und Fotos)

Für seinen mit viel Fachwissen und reichlich mit humorvollen Episoden gespickten Vortrag zur Geschichte der Grumbacher Glashütte bekam der Ilmenauer pensionierte Berufsschullehrer und Diplomingenieur für technische Glasverarbeitung Werner Greiner großen Beifall. 125 Besucher waren gekommen um zu erfahren, auf welchem Weg das Glas hier in unsere Gegend gelangte, wie eine Glashütte funktionierte und welche Produkte in Grumbach hergestellt wurden.

Grumbacher Glas Wo fand es Verwendung?

Der Vertrag vom 29. März 1616 enthält die Verpflichtung der Glasmeister zur kostenfreien Lieferung von: jährlich einem Schock Tafel-Gläsern (ein Schock sind 60 Stück) und einem Schock lange Röhren an den herrschaftlichen Reußischen Hof in Gera. Darüber hinaus sollten sie alles Glaswerk, was am Hofe benötigt wurde, einen Pfennig pro Stück billiger liefern.

Aus Rechnungen und Verträgen aus der Zeit damals geht hervor, welche Gläser in der Grumbacher Glashütte noch hergestellt wurden:

  • Bier-und Weingläser                                                    
  • Deckelkrüge
  • Wasser- und Trinkgläser
  • Gläser zum Aufbewahren von Lebensmitteln (Zuckergläser)
  • Butzenscheiben

Die beiden Glasmeister Christoph und Hans Müller wurde 1650 verpflichtet, 300 „durchsichtige Scheiben“, wahrscheinlich Butzenscheiben oder „Ochsenaugen“, für den herrschaftlichen Kirchenstand in Lobenstein zu fertigen. Dafür wurde ihnen das Forellenbächlein, auch Dürrenbächlein genannt, überlassen.

Dieser Humpen aus dem Jahre 1654 stammt aus der Familie des Glasermeisters Martin Müller. Auf ihm zu sehen ist eine Abbildung des Glasmeisters, seiner Ehefrau Barbara Müller, geboren 1621 in Grumbach als Tochter vom Peter Greiner, einer der Hüttengründer. Ebenfalls abgebildet sind der Sohn und die 9 Töchter der Familie. Das Original befindet sich im Kunstgewerbemuseum in Prag.

bis 1922 das Wappen von Grumbach

Während der Dreißigjährige Krieg (1618-48) andauerte, trafen sich Abgeordnete aus Kronach, Stift Bamberg, und Reuß- Lobenstein im Frühjahr 1635 in Nordhalben zu einem regionalen Friedensschluss. Die zur anschließenden Feier benötigte große Menge an Trinkgläsern hatte Reuß in der Glashütte Grumbach anfertigen und nach Nordhalben schaffen lassen.

Feierlichkeiten anlässlich des Jahrestages des Nordhalbener Friedens 2014

Nordhalbener Handelszug

Der Einzug des Nordhalbener Handelszugs mit Lebensmitteln aus dem Reußenland erinnert an eine überlebenswichtige Episode für die Stadt Kronach aus dem Dreißigjährigen Krieg, die als „Frieden von NordhalbenGeschichte machte. Nach den Belagerungen und Erstürmungsversuchen der „Schweden“ in den Jahre 1632 – 1634 wurde Kronach von der Pest heimgesucht, die über 300 Tote forderte. Die Stadt war völlig am Ende und die Verantwortlichen wussten nicht mehr, woher sie Lebensmittel für Bürger und Flüchtlinge beschaffen sollten, da das ganze eigene Land verwüstet war. Einziger Ausweg erschien eine Einfuhr aus dem feindlichen Reußenland, das noch Reserven hatte, aber von ständigen Übergriffen der marodierenden kaiserlichen Söldner bedroht wurde. Verhandlungen wurden aufgenommen und diese im Frühjahr 1635 zwischen Delegationen der Bambergisch-Kronacher und Reußischen (aus Lobenstein) Seite im Grenz- und Passort Nordhalben besiegelt – dem „Frieden von Nordhalben“. Nachzulesen in der Fehn’schen Chronik der Stadt Kronach von 1661. Die Fuhrleute erhielten Passierscheine und wohl auch Geleitschutz für ihre Waren auf dem Weg zwischen dem Reußischen und Kronach. Der Kronacher Stadtvogt Hans Götz hatte die Idee, den Friedensschluss, der immerhin der erste Sonderfrieden des Dreißigjährigen Krieges „im deutschen Reiche“ war, durch entsprechende Darstellungen wieder in Erinnerung zu bringen. 2003 wurde erstmals das Ereignis am historischen Ort wieder nachgespielt, 2010 initiierte er den ersten Ratsherrenzug der Kronacher nach Nordhalben. Und auch seit 2003 kommen die Nordhalbener mit einem Handelszug zum Stadtspektakel nach Kronach, um mit den reußischen Waren die Not der leidenden Kronacher Bevölkerung zu stillen. Auch diesmal werden sie nach der sonntäglichen Messe mit dem Pferdegespann von Hans Spindler durch das Bamberger Tor einziehen und Lebensmittel an den Rat der Stadt und die Bevölkerung verteilen. Wie schon beim Viertelmeistertag angemerkt, haben die Nordhalbener allerdings mittlerweile so ihre Zweifel, ob die Not in der Stadt wirklich größer ist als die eigene und wie es um die gegenseitige Unterstützung steht. Ob sich die durch den Oberbürgermeister und den Stadtvogt ausräumen lassen, wird sich beim anschließenden Festmahl unter der Ehrensäule zeigen, das die Bürgerwehr ausrichtet.