November, ohne Datum

Rennsteiginventur, Abschnitt Kirchhügel (Rodacherbrunn) bis Lauenhainer Ziegelhütte

1. Zeitliche Einordnung:

Begehung am 09.09., 11.09. und 25.09.2015 vom Kirchhügel vor Rodacherbrunn) bis Lauenhainer Ziegelhütte

2. Statistische Werte:

  • Die Länge der zu begutachtenden Strecke beträgt 12,7 Kilometer.
  • Das Streckenprofil ist relativ eben mit wenigen Steilpassagen oder nennens-werten Steigungen und Abstiegen.
  • Unter anderem betroffen sind 2 Ortslagen (Rodacherbrunn, Brennersgrün). Eine Ortslage (Grumbach) wird nur tangiert. Die restliche Strecke verläuft größtenteils im Wald und mit einer Ausnahme über eine Wiesenfläche bei Grumbach. In Grumbach und Rodacherbrunn bestehen Übernachtungsmöglichkeiten. Der Gasthof in Brennersgrün wurde geschlossen. Dafür bietet aber das neue Rennsteighaus in Brennersgrün Übernachtungsmöglichkeiten mit Frühstück an. In einem Neubau in Brennersgrün werden ebenfalls komfortable Zimmer mit Frühstück angeboten.
  • Die ehemalige innerdeutsche Grenze wird 3x gequert (Hohe Tanne, Och-senhut, Kurfürstenstein).
  • Auf dem Finkenberg wird mit 726 m die höchste Erhebung überschritten, gefolgt von der Hohen Tanne mit 722 m.
  • Auf dem Abschnitt Rodacherbrunn bis Kurfürstenstein verläuft der Rennsteig 1,14 km auf Bayerischem Gebiet. Die restliche Strecke verläuft durch Thüringen.
  • Sehr gut ist die Anbindung an weitere interessante Wanderziele, wie an das „Grüne Band“, den „Schieferpfad“, den Nees’schen Rennsteig, 2 Rennsteigleitern und das Wetzsteingebiet.
  • Die Parkmöglichkeiten sind ebenfalls als sehr gut einzustufen. An Park-flächen mit unterschiedlicher Oberflächenstruktur können genutzt werden: Parkflächen in und um Rodacherbrunn (2x: an der Straße nach Grumbach, am „Mareile“), in Grumbach (2x: am Friedhof, beim Silo), in Brennersgrün (3x: beim Friedhof, Ortsausgang Richtung Lehesten und auf dem ehemaligen Kasernengelände) und am Wanderparkplatz vor der „Ziegelhütte.
  • Auf dem begutachteten       Rennsteigabschnitt befinden sich       4 Schutzhütten, die durch ihre solide Bauweise und den guten Erhaltungszustand auffallen (Rodacherbrunn, Jagdhaus, Kurfürstenstein). Beim Meiler Hohe Tanne besteht Reparaturstau, besonders am Dach. Die Sauberkeit im Inneren der Hütte ist schlecht.
  • Weitere Rastplätze als Einzelbänke, sogenannte „Raufen“ (überdachte Sitz-Tischkombinationen) und freie Rastplätze runden die Möglichkeit, eine Rast einzulegen ab.
  • Auf der begutachteten Strecke befinden sich 3 Aussichtspunkte (Friedhof Grumbach, vor Anstieg zur Hohen Tanne, gegenüber Friedhof Brennersgrün).

3.Befunde

Wegezustand

Der Wegezustand auf dem kompletten untersuchten Abschnitt kann als gut bezeichnet werden. Lediglich dort, wo der Rennsteig den alten Reichenbacher Stieg kreuzt (Schönwappenweg), ist der Übergang in einem äußerst schlechten Zustand, da der kreuzende Weg offenbar als Fahrweg oder Forstweg genutzt wird. Die Mängel, bei der letzten Inventur von 2013 wurden beseitigt oder haben sich durch natürliche Einflüsse selbst reguliert.

 

vor dem Aufstieg zur Hohen Tanne, auf der Bayerischen Seite

Reichenbacher Stieg kreuzt Schönwappenweg

Wegemarkierung durch gemalte Mareile

Auch bei der Markierung des Rennsteiges wurden keine Mängel festgestellt. Der Wanderweg Rennsteig ist im untersuchten Abschnitt gut und eindeutig markiert.

Die auf dem Weg von Brennersgrün zur Hohen Tanne auffällig häufig angebrachten Mareile sind noch vorhanden, aber in dieser Dichte nicht erforderlich, da der Weg hier ohnehin einen eindeutigen Verlauf hat.

Wegemarkierung durch weiße Mareile auf Holzschild

Diese Art der Markierung war eigentlich für Wegeabschnitte vorgesehen, an welchen sich keine geeigneten Bäume befinden, die man mit gemalten Mareile versehen konnte.

Die verwendeten Schilder wurden, wie bereits bei vorhergehenden Inventuren erwähnt, auch dort angebracht, wo eigentlich genügend Baummaterial vorhanden ist. Besonders auffällig ist die Überbeschilderung im Abschnitt zwischen dem Grumbacher Silo und dem Anstieg zur Hohen Tanne. Auf einer Wegstrecke von 350 m stehen 6 Schilder.

Der Zustand der Schilder wird immer schlechter, eine Reparatur oder Auswechslung fand bisher noch nicht statt. Ich empfehle, diese Schilder komplett abzubauen.

links: Wiese bei Grumbach, rechts: in Brennersgrün

Alternativer Rennsteig

Der alternative Rennsteig sollte samt seiner noch vorhandenen Markierungen und Informationstafeln zurückgebaut werden. In meinem Fall handelt es sich um die ehemalige Umgehungsstrecke von Brennersgrün.

auf der Tafel wird noch auf den Alternativrennsteig hingewiesen (Ortsausgang Brennersgrün)

Wegweiser

Während meiner Untersuchung konnte ich feststellen, dass verschiedene Wegweiser gerade erneuert werden. Die notwendigen Vorarbeiten, wie das Setzen der Stahlstützen in Beton ist bereits abgeschlossen. Nach aktuellen Rücksprachen mit Herrn Baumann vom Regionalverbund wurde bereits eine Vielzahl von Wegweisern wieder aufgestellt, die dann bei der nächsten Inventur mit erfasst werden.

Alle Wegweiser sind auf ihren Informationsgehalt zu überprüfen, Widersprüche bei den Entfernungs- und Richtungsangaben sind zu beseitigen. Bei vielen Wegweisern besteht akuter Instandhaltungsstau. Besonders betroffen hiervon sind die Wegweiser des Frankenwaldvereins. Bei der letzten Inventur im Jahre 2013 wurde der Zustand der Wegweiser bereits bemängelt, wie zum Beispiel auf der Hohen Tanne.

Inwieweit Wegweiser in der Regie des Regionalverbundes in Verbindung mit der vorgenannten Neuaufstellung saniert worden sind, entzieht sich meiner Kenntnis, da die Inventur vorher stattfand.

links Doberbach, Stahlstützen für neuen Wegweiser, rechts: Wegweiser am Schönwappenweg, schlechter Zustand

Ländergrenzsteine

Aufgrund des natürlichen Bewuchses hat sich der Gefährdungsgrad der Grenzsteine an der Hohen Tanne gemindert. Stein 165.1 fehlt definitiv, er wurde zwischen 2007 und 2009 gestohlen. Das Steinbett ist noch vorhanden.

Im Bereich Ochsenhut ist der komplette Grenzsteinbestand von Stein 47 bis Stein 40 akut gefährdet, da hier der Forstweg bis direkt an die Steinflanken verbreitert wurde. Hier sind geeignete Maßnahmen durchzuführen, um die Grenzsteine zu sichern.

Bei den vorgefundenen Mängeln in diesem Bereich handelt es sich um einen eindeutigen Verstoß gegen die Bestimmungen des Thüringer Denkmalschutzgesetzes, auch wenn es die Bayerische Seite des Grenzsteines betrifft. Lt. Gesetz ist aber der komplette Grenzstein geschützt.

Stein Nr. 42 lag aus oben genannten Gründen bereits neben seinem Lager. Er wurde gestohlen, eine Folge der Wegeverbreiterung durch den Bayerischen Staatsforst.

Ich habe mit Herrn Martin Weber aus Ludwigsstadt beraten, welche Maßnahmen zur Sicherung der Grenzsteine eingeleitet werden können. Er will sich diesbezüglich mit dem Forst in Verbindung setzen.

Grenzstein Nr. 39 an der Straße nach Tschirn wurde zu Beginn der 1990-iger Jahre in der alten Schule in Brennersgrün eingelagert. Auch dieser Grenzstein ist nicht mehr auffindbar, geschuldet der mangelnden Kontrolle der Unteren Denkmalschutz-behörde auf der Thüringischen Seite.

Grenzstein Nr. 47 wurde bei Forstarbeiten umgedrückt.

links: Grenzstein 47, rechts Grenzstein 45, Ochsenhut

Rastplätze

In Bezug auf Rastplätze profitiert der untersuchte Abschnitt von den durchgeführten Maßnahmen im Rahmen des Ganzjahresprojektes Rennsteig unter der Leitung des Regionalverbundes.

Folgende Rastplätze wurden neu geschaffen:

  • Finkenberg
  • Hohe Tanne
  • Kurfürstenstein
  • Wanderparkplatz Ziegelhütte

Die dort installierten offenen Rastplätze ersetzen in 3 Fällen ehemals vorhandene Rastplätze. Auf der Hohen Tanne wurde der Rastplatz zusätzlich errichtet.

In der Nähe des Grumbacher Silos wurde ebenfalls ein neuer Rastplatz in privater Regie errichtet.

 

links: Finkenberg, rechts: Hohe Tanne

 

links: Kurfürstenstein, rechts: Lauenhainer Ziegelhütte

neuer Rastplatz Nähe Grumbacher Silo

Die beiden Rastplätze in Brennersgrün wurden erneuert, wobei der Rastplatz beim Friedhof so angelegt wurde, dass er in den Wintermonaten abgebaut werden kann (ist bereits erfolgt).

Rastplätze in Brennersgrün

Die neu errichteten Rastplätze ersetzten zum Teil überdachte Rastplätze mit erheblichem Reparaturstau.

Folgende Rastplätze sind in einem nicht akzeptablen Zustand:

  • Finkenberg, Sechseckbank
  • Nähe Friedhof Grumbach, Raufe
  • Abzweig Eppenberg, Einzelbank

alter Sechskantrastplatz auf dem Finkenberg

Einzelbank Eppenberg

Der Zustand der übrigen Rastplätze (wie Jagdhaus) hat sich nicht geändert.

Rastplatz Kirchhügel, bei Rodacherbrunn

Rennsteigleiter

Im untersuchten Abschnitt wurden 2 Rennsteigleitern eingerichtet. Dort, wo der Schönwappenweg den Rennsteig verlässt endet oder beginnt die Rennsteigleiter Lehesten.

Hinter dem Friedhof Grumbach im fürstlich-reußischem Forst beginnt oder endet die Rennsteigleiter Wurzbach. Hier fehlt allerdings aus wohl eigentumsrechtlichen Gründen die für die Rennsteigleitern typische Ausführung. Auf die Leiter wird lediglich mit einem Wegweiser hingewiesen.

links: Rennsteigleiter Wurzbach, rechts: Rennsteigleiter Lehesten

Schutzhütten

Folgende Schutzhütten befinden sich im Untersuchungsgebiet:

  • Rodacherbrunn
  • Meiler Hohe Tanne
  • Jagdhaus
  • Kurfürstenstein

Am Zustand der Schutzhütten gab es keine Änderungen. Am Meiler Hohe Tanne wurden trotz Kritik hinsichtlich der anstehenden Dachreparaturen und hinsichtlich der Ordnung und Sauberkeit keine Änderungen vorgenommen. Das Innere der Hütte ist stark mit Farbe beschmiert.

Ortseingänge, Ortsausgänge

Die bei vorhergehenden Inventuren bemängelte Unordnung beim Ortseingang Rodacherbunn aus Richtung Finkenberg wurde teilweise beseitigt. Der wilde Abstellpatz für Fahrzeuge wurde begrünt, in Privatinitiative eine Bank errichtet.

Es besteht aber weiterhin Handlungsbedarf, evtl. durch das Aufstellen von Infotafeln (Rodachquelle, Nees’scher Rennsteig).

Rodacherbrunn

Am Grumbacher Friedhof wurde der Gedenkstein an die Kriegsopfer bereits bei der letzten Inventur 2013 als saniert beschrieben.

Grumbacher Friedhof

Jetzt hat man zusätzlich einen Stein errichtet, dessen Bedeutung aber nicht ermittelt werden konnte. Der Weg zum Friedhof wurde erneuert.

Positiv haben sich die beiden Ortsein- bzw. ausgänge von Brennersgrün entwickelt.

Gegenüber vom Friedhof wurden die Rastplätze in privater Initiative erneuert, teilweise wurden die bei vorhergehenden Inventuren als mangelhaft festgestellten Informationstafeln entfernt.

Der Ortseingang aus Richtung Lehesten wurde komplett neu gestaltet. Gegenüber vom Rennsteig auf der anderen Straßenseite wurde ein kleiner Park mit dahinter liegendem Parkplatz errichtet. Am Rennsteig selbst entfernte man die überdachte Sitzgruppe und ersetzte sie durch einen neuen offenen Rastplatz. Lediglich die Überbleibsel der ehemaligen Hinweise auf den Alternativen Rennsteig sollten noch abgebaut werden.

Brennersgrün Ortausgang Richtung Lehesten

In Brennersgrün entstand in der alten Schule ein vorbildliches Rennsteighaus. Anders wie bei den übrigen Häusern, ist hier eine Übernachtungsmöglichkeit mit Frühstücksversorgung gegeben.

Im Erdgeschoss befindet sich ein größerer Raum, mit einer Getränkebar und einer Kasse des Vertrauens.

Die Nutzung des WC ist kostenfrei, für die Nutzung der Duschen fallen 1 € Gebühr an.

Vor dem Gebäude befindet sich ein kleiner Rastplatz.

Im Eingangsbereich ist ein Aufsteller platziert. Hier erhält man umfangreiches Infomaterial zur Region.

Das Rennsteighaus in Brennersgrün ist eine gelungene Bereicherung für den gesamten Ort und den kompletten Rennsteig.

Zusammenfassung:

Es ist festzustellen, dass sich seit der letzten Inventur besonders der Wegezustand stark verbessert hat. Die neuen Infrastrukturmaßnahmen des Regionalverbundes zeigen, dass all die Einrichtungen, die neu entstanden, einmal zur Aufwertung des Rennsteiges beigetragen haben, andererseits aber auch die Privatinitiativen in den Anlieger-gemeinden mobilisiert haben, zusätzliche Leistungen zur Verbesserung der Infrastruktur   bereitzustellen (Rastplätze, gepflegte Freiflächen, Gestaltung von Ortseingängen).

Verbesserungsbedürftig ist der Erhaltungszustand der Wegweiser, besonders der am Rennsteig aufgestellten Fremdwegweiser (Frankenwaldverein).

Der Staatsforst im Freistaat Bayern ist genauso wenig an echter Partnerschaft interessiert, wie der ThüringenForst. Besonders kritisch finde ich das unverantwortliche Handeln hinsichtlich des Umgangs mit dem Denkmal Rennsteig. Erschwerend kommt noch die mangelnde Sachkenntnis und das Desinteresse bei den verantwortlichen Denkmalschutzbehörden hinzu, ein Problem nicht nur für meinen Untersuchungsbereich, sondern für den gesamten Rennsteigverlauf.

Was ebenfalls irgendwann eine großes Problem für den Rennsteig werden kann, sind die zahllosen Initiativen privater Interessenten, im Verlauf des Rennsteiges zusätzliche Themenwege zu installieren, die aufgrund der eigenen Erfahrungen sehr kurzlebig sind und andererseits dem Image des Rennsteiges schaden.

Die Instandhaltung und Pflege der Infrastruktur dieser überlagernden Wege, lässt nach wenigen Jahren meist stark zu wünschen übrig. Die installierte Infrastruktur verfällt.

Hier ist in Zukunft eine stärkere Kontrolle und Abstimmung angeraten. Dominanz muss in jedem Fall der Denkmal-schutz am Rennsteig haben.

Ulrich Rüger, November 2015

 

11. November

Südthüringens schönste Aussichten

Am 11.11.2015 erhielt Kahlert als Auszeichnung eine Bank im Rahmen der Gemeinschaftsaktion „Südthüringens schönste Aussichten“.

Das SRH Zentralklinikums Suhl, die Tageszeitungen Freies Wort, Südthüringer Zeitung und FW Meininger Tageblatt suchten die schönsten Aussichten Südthüringens, an welcher sich auch der Thüringer Rennsteigverein Neustadt am Rennsteig e.V. beteiligte.

163 Bewerbungen schöner Aussichten waren eingegangen, 60 wurden ausgewählt, darunter auch die von Kahlert.

Es ist die einzige Bank am Rennsteig mit einer Aussicht zum Finsterberg, Beerberg, Eisenberg, Schneekopf und auf Frauenwald.

Fotos: Manfred Kastner